Am 24. Februar 2026 ist Thunderbird Desktop in Version 148.0 erschienen. Die Veröffentlichung umfasst funktionale Neuerungen, Änderungen am Verhalten einzelner Ansichten sowie eine lange Liste an Fehlerkorrekturen. Schwerpunkte liegen auf Verbesserungen der Bedienbarkeit, einer Modernisierung von Authentifizierungsmechanismen und Korrekturen im Zusammenspiel mit IMAP, Exchange sowie Kalender und Adressbuchdiensten.
Systemanforderungen
Thunderbird 148.0 setzt auf aktuellen Plattformen auf. Unter Windows wird Windows 10 oder neuer benötigt. Auf Apple-Systemen ist macOS 10.15 oder neuer Voraussetzung. Unter Linux wird eine GTK-Version ab 3.14 vorausgesetzt. Damit positioniert sich die Version klar auf unterstützten Betriebssystemgenerationen und reduziert die Komplexität der Pflege älterer Umgebungen.
Neue Funktionen
Verbesserte Barrierefreiheit in Baumansichten
In verschiedenen Baumansichten wurde die Accessibility verbessert. Gemeint sind typischerweise Listen und hierarchische Darstellungen wie Ordnerbäume oder strukturierte Ansichten, die mit Screenreadern und Tastaturnavigation konsistent funktionieren müssen. Solche Anpassungen wirken sich häufig auf Fokusführung, Rollenbezeichnungen und die Erkennbarkeit von Auswahlzuständen aus.
Favoriten als neues Ziel für Verschiebeaktionen
Die Funktion „Favoriten“ wurde als Ziel für die Schaltflächen „Move To“ und „File“ ergänzt. Dadurch lassen sich Nachrichten schneller in häufig genutzte Ordner verschieben, ohne den kompletten Ordnerbaum durchsuchen zu müssen. Die Änderung zielt auf eine Beschleunigung typischer Arbeitsabläufe in stark strukturierten Mailboxen.
Neuer Schalter für OpenPGP und GPGME-Versionen
Mit der Option mail.openpgp.load_untested_gpgme_version wird eine Konfigurationsmöglichkeit eingeführt, um eine nicht getestete GPGME-Version zu laden. Das adressiert Umgebungen, in denen Distributionen oder Paketquellen neuere GPGME-Builds bereitstellen als in der jeweiligen Thunderbird-Validierung berücksichtigt wurden. Der Schalter ist vor allem für fortgeschrittene Nutzer und Administratoren relevant, die OpenPGP-Funktionalität in heterogenen Linux-Setups betreiben.
NTLM als auswählbare Authentifizierung für EWS-Konten
Für EWS-Konten wird NTLM als verfügbare Authentifizierungsmethode sichtbar gemacht. In Unternehmensumgebungen kann dies wichtig sein, wenn Legacy- oder Hybrid-Konfigurationen im Exchange-Umfeld existieren oder bestimmte Proxy- und Authentifizierungsstrecken NTLM voraussetzen. Die explizite Auswahl erleichtert die Diagnose von Login-Problemen und die Anpassung an vorgegebene Infrastrukturvorgaben.
Änderungen am Verhalten
Gelesene Ordner verschwinden aus „Ungelesene Ordner“
Ordner, die als gelesen gelten, werden nun aus der Ansicht „Unread Folders“ entfernt. Diese Änderung reduziert visuelles Rauschen in der Ungelesen-Ansicht und sorgt dafür, dass die Darstellung stärker auf tatsächlich offene Aufgaben fokussiert. Für Nutzer, die diese Ansicht als Arbeitsliste verwenden, kann sich das Verhalten spürbar verändern.
Umstellung bei Yahoo, AT&T und AOL auf PKCE
Konten der Anbieter Yahoo, AT&T und AOL werden auf PKCE umgestellt. PKCE ist eine Erweiterung von OAuth, die insbesondere öffentliche Clients ohne Client Secret besser gegen Code-Intercept-Angriffe absichert. Praktisch bedeutet dies eine modernere und robustere Anmeldung, die besser zu aktuellen Sicherheitsanforderungen von Identitätsanbietern passt.
Fehlerkorrekturen: Stabilität, UI und Kontenanbindung
Zuverlässigere Mailprüfung nach Ruhezustand und Netzstörungen
Ein zentrales Stabilitätsthema betrifft die periodische Prüfung auf neue E-Mails. In bestimmten Situationen stoppte diese nach dem Aufwachen aus dem Ruhezustand oder nach Netzwerkausfällen stillschweigend. Version 148.0 behebt das Verhalten, was für Nutzer mit IMAP oder zeitkritischen Posteingängen relevant ist, die sich auf regelmäßige Polling-Intervalle verlassen.
UI-Korrekturen und Fokusverhalten
Mehrere Korrekturen betreffen die Benutzeroberfläche. Ein Spendenbanner konnte den Fokus stehlen, obwohl Thunderbird im Hintergrund lief. Zudem wurden Statusleistenmeldungen korrigiert, die teils nicht lokalisierte Ordnernamen oder IMAP-Postfachnamen anzeigten. Ergänzend nennt die Version generelle visuelle und UX-Verbesserungen, was auf Detailanpassungen an Layout, Interaktion und Konsistenz hindeutet.
Ordnerverwaltung und Thread-Darstellung
Im Dialog zum Erstellen neuer Ordner war es möglich, ungültige Ordner anzulegen, wenn kein übergeordneter Ordner ausgewählt war. Darüber hinaus wurden neue beziehungsweise ungelesene Nachrichten in eingeklappten Threads nicht deutlich genug hervorgehoben. Beide Punkte adressieren typische Fehlerquellen im Arbeitsalltag: fehlerhafte Strukturen im Ordnerbaum und unklare Sichtbarkeit neuer Inhalte in Konversationen.
Sicherheitsnahe Darstellung signierter und unverschlüsselter Mails
Eine Korrektur betrifft die Bewertung von E-Mails, die unverschlüsselt, aber fehlerhaft signiert sind. Diese wurden bislang als schlechter dargestellt als nicht signierte Nachrichten. Version 148.0 passt die Indikation an, um die Bewertung konsistenter zu machen. In sicherheitsbewussten Umgebungen ist eine korrekte, nachvollziehbare UI-Semantik entscheidend, damit Nutzer Signaturzustände richtig interpretieren.
Quick Filter, Suche und Protokollierung
Untagged Messages funktionierten nicht korrekt mit dem Quick Filter. Zudem wurde eine Filteraktion „Move Message to“ nicht geloggt. Auch gespeicherte Suchen im vereinheitlichten Ordner konnten einen Serverfehler auslösen. Diese Korrekturen betreffen vor allem Power-User, die Filter, Tags und gespeicherte Suchordner als Produktivitätswerkzeuge einsetzen.
Exchange, OAuth und Account Hub: zahlreiche Korrekturen
Account Hub Inhalte und Tastenkürzel
Kalender und Adressbuchbereiche wurden im Account Hub angezeigt, obwohl keine vorhanden waren. Zusätzlich konnten Tastenkürzel auf einem Hintergrund-Mailfenster ausgeführt werden, während der Account Hub aktiv war. Beide Themen sind typisch für Zustandsmanagement in komplexen UI-Flows, insbesondere wenn mehrere Fenster und Konfigurationsdialoge parallel existieren.
Gmail und OAuth in der Autokonfiguration
Beim Hinzufügen eines Gmail-Kontos wurde während der Autokonfiguration nach OAuth gefragt. Die Korrektur deutet darauf hin, dass der Ablauf präziser gesteuert wird, damit Anmeldeaufforderungen konsistent zum jeweiligen Setup-Schritt passen.
EWS: Passwortspeicherung, Provider und Konfigurationslogik
Mehrere Fixes konzentrieren sich auf EWS. Neue passwortbasierte Exchange-Konten konnten Passwörter nicht im Login Manager speichern. Unbekannte OAuth-Provider waren während der manuellen EWS-Konfiguration im Account Hub nicht zugelassen. Zusätzlich gab es einen Endlos-Dialog zur Passwortabfrage, wenn das Passwort leer war. Auch der manuelle Konfigurationsfluss für Exchange-Konten wurde als inkorrekt beschrieben und entsprechend angepasst. Insgesamt deutet die Häufung auf eine Überarbeitung der Account Hub Logik und des Zusammenspiels von Authentifizierung, Provider-Erkennung und Credential-Handling hin.
Kalender: Google, CalDAV und iCal-Import
Google Kalender: RSVP und Organizer-Probleme
Bei Google-Kalendern gab es fehlerhafte RSVP-Logik und einen falschen Organizer bei neuen Ereignissen. Solche Fehler wirken sich unmittelbar auf Einladungsworkflows aus, insbesondere wenn Teilnehmerstatus und Organisatorrollen automatisiert verarbeitet werden müssen.
CalDAV: Antworten, Aliasse und Stabilität bei Einladungen
CalDAV-Kalender, die einen Kalenderalias eingeladen hatten, boten nicht alle Antwortoptionen. Außerdem konnte ein CalDAV-Kalender mit mehreren Adressen bei Einladungen mit mehreren Teilnehmern abstürzen. Diese Fixes sind relevant für Teamszenarien und Umgebungen mit delegierten Kalendern, Gruppenadressen oder mehreren Identitäten pro Konto.
iCal-Import: Zeitzonenbehandlung
Beim Import von iCal-Dateien wurden unbekannte Zeitzonen als GMT interpretiert, was zu falsch terminierten Ereignissen führte. Die Korrektur verbessert die Zuverlässigkeit beim Austausch von Kalenderdaten zwischen Systemen, die proprietäre oder seltene Zeitzonenkennungen verwenden.
Sicherheitskorrekturen
Thunderbird 148.0 enthält zudem Security Fixes. Details werden in den bereitgestellten Notizen nicht weiter ausgeführt, der Hinweis signalisiert jedoch, dass neben Funktions- und Stabilitätsaspekten auch sicherheitsrelevante Schwachstellen adressiert wurden.
Einordnung für den produktiven Einsatz
Version 148.0 ist weniger durch spektakuläre neue Funktionen geprägt als durch eine breite Konsolidierung. Verbesserungen der Barrierefreiheit, die PKCE-Umstellung bei großen Providern und die Korrekturen rund um EWS und Kalenderfunktionen sprechen vor allem Nutzer an, die Thunderbird in professionellen oder stark integrierten Kommunikationsumgebungen einsetzen. Gleichzeitig erhöhen Fixes wie die stabilere Mailprüfung nach Ruhezustand die Alltagstauglichkeit für klassische Desktop-Nutzungsszenarien.


