Banken-Trojaner erpressen Hunderte Millionen Euro

Viren

Der russische Antiviren-Hersteller Kaspersky http://www.kaspersky.de
hat am Wochenende in Moskau einen Ausblick auf die Bedrohungsszenarien
für 2007 gegeben. "Traditionelle Virenattacken und Epidemien gehören im
Prinzip der Vergangenheit an", so Unternehmensgründer Eugene Kaspersky
gegenüber pressetext. "Was früher das Werk von harmlosen Kids und
Internet-Freaks war, ist heute zum knallharten Geschäft von
Cyberkriminalisten geworden", so Kaspersky weiter. Neben der
anhaltenden Trojanerflut, die es auf sensible Daten von Anwendern
abgesehen hat, bereitet den Sicherheitsexperten vor allem der Trend zu
unternehmensinternen Angriffen Kopfzerbrechen.Die Vorfälle bei Banken und anderen großen Unternehmen häufen sich, bei
denen Mitarbeiter eine Schwachstelle der internen Antiviren- und
Firewall-Lösung ausnützen, um Malware einzuschleusen. In einzelnen
Fällen, die letztlich glimpflich ausgegangen sind, standen Hunderte von
Mio. Euro auf dem Spiel", so Kaspersky. Für 2007 wird zudem ein Anstieg
von kryptischen Trojanern erwartet. Diese verschlüsseln Daten auf dem
gekaperten Computer und erpressen ihre Opfer mit Geldforderungen für
einen entsprechenden Dechiffrierungsschlüssel. Als weiterer Trend
zeichnet sich auch das Stehlen von wertvollen
Online-Games-Bestandteilen durch Trojaner ab. So sind besonders
wertvolle Online-Charaktere und Objekte, die nur nach monatelangem
Spielen frei geschaltet werden können, mittlerweile zig-Tausende Dollar
auf dem Schwarzmarkt wert.

Die von Microsoft in Windows Vista
implementierten Sicherheitsverbesserungen bewertet man bei Kaspersky
grundsätzlich positiv, wenngleich auch sie keinen umfassenden Schutz
gegen die neuen Angriffszenarien bieten könnten. Weniger begeistert
zeigt man sich hingegen von der im Mai 2006 gelaunchten
Microsoft-Lösung Onecare, deren Markteintritt vor allem bei der
Konkurrenz von Symantec und McAfee für einige Nervosität gesorgt hatte. "Microsofts Onecare ist unseren Tests zufolge höchstens mittelmäßig.
Das Positive aber ist, dass durch die verstärkten Aktivitäten
Microsofts alle Anwender zu mehr Sicherheit erzogen werden", so
Kaspersky. Das eigene Geschäft sieht man von dem neu erwachsenen
Konkurrenten nicht betroffen, da Microsoft in besagtem Bereich derzeit
einfach nicht genügend Reputation und Vertrauen besitze.

"Vista
implementiert eine Reihe von innovativen Technologien. Man muss sich
aber bewusst sein, dass ein Virus oder Trojaner all das machen kann,
was dem Anwender selbst erlaubt ist", warnt auch der
Kaspersky-Virenanalytiker Alexander Gostev. Eingeschränkte
Administratorenrechte würden zwar einen gewissen Schutz bieten. Solange
man selbst in der Lage sei, ein E-Mail zu senden, könne dies aber auch
ein Trojaner tun, so Gostev im pressetext-Interview. Erschwerend für
Vista komme naturgemäß hinzu, dass alle Cyberkriminellen sich im
kommenden Jahr auf das neue Betriebssystem stürzen werden, um Lücken
aufzuspüren und Schutzmaßnahmen zu knacken. "Die Grundproblematik ist
allerdings, dass zwei Drittel aller Internet-Anwender weltweit immer
noch keine Antiviren-Lösung auf ihrem Computer installiert haben",
ortet Gostev großen Nachholbedarf im Anwenderbereich.

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