Bei der Migration oder dem Upgrade von Microsoft Office unter Windows kommt es in der Praxis regelmäßig zu Lizenzkonflikten, die sich nicht durch eine einfache Neuinstallation beheben lassen. Ein typisches Szenario ist der versehentliche Erwerb von Office Home, obwohl für den produktiven Einsatz Office Home and Business benötigt wird. Da Office Home in vielen Fällen Outlook nicht umfasst, kann die fehlerhafte Lizenzzuordnung dazu führen, dass Outlook nicht startet oder sich nicht aktivieren lässt, obwohl anschließend die korrekte Edition gekauft wurde.
In einem dokumentierten Fall wurden zwar Rückerstattung und Neukauf durchgeführt, die lokal installierten Office-Anwendungen meldeten jedoch weiterhin „Office Home“. Outlook blieb dadurch funktionslos. Ursache war eine im System verbleibende Lizenzzuordnung, die zuerst entfernt werden musste, damit die Edition Home and Business korrekt greift.
Hintergrund: Warum der klassische VBS-Weg nicht mehr funktioniert
Die lange Zeit verbreitete Methode, Office-Lizenzen über ein VBS-Skript zu entfernen, ist in aktuellen Umgebungen nicht mehr zuverlässig nutzbar. Stattdessen ist für die Lizenzdiagnose und das Entfernen bestimmter Lizenzobjekte in vielen Setups inzwischen PowerShell erforderlich. Konkret wird dabei ein Office-Skript verwendet, das Lizenzen auflistet und gezielt entfernt.
Vorgehensweise: Office-Lizenzen per PowerShell auflisten und entfernen
1. PowerShell mit Administratorrechten starten
Im Startmenü wird PowerShell gesucht und anschließend Als Administrator ausführen gewählt. Administratorrechte sind erforderlich, weil die Lizenzdiagnose und das Entfernen von Lizenzinformationen systemnahe Änderungen auslösen können.
2. Ausführung von PowerShell-Skripten erlauben
In Umgebungen, in denen PowerShell erstmals genutzt wird oder restriktive Policies gelten, muss die Skriptausführung zugelassen werden. Dafür wird folgende Einstellung verwendet:
Set-ExecutionPolicy RemoteSignedAlternativ kann die Freigabe auf die aktuelle Sitzung begrenzt werden, um die Änderung nicht dauerhaft zu übernehmen:
Set-ExecutionPolicy RemoteSigned -Scope Process3. In das Office-Installationsverzeichnis wechseln
Anschließend wird im PowerShell-Fenster in das Office-Verzeichnis gewechselt. In vielen Installationen liegt dieses bei Office 2016/2019/2021 sowie Microsoft 365 in folgendem Pfad:
cd "C:\Program Files\Microsoft Office\Office16"4. Installierte Office-Lizenzen auflisten
Zur Bestandsaufnahme wird ein Diagnose-Skript mit der Aktion list ausgeführt:
./vnextdiag.ps1 -action listDiese Abfrage liefert pro erkannter Lizenz strukturierte Informationen. Typische Felder sind unter anderem Version, Typ, Produktkennung sowie eine eindeutige Lizenz-ID. Beispielhafte Auszüge können wie folgt aussehen:
"Version": "5"
"Type": "User|Subscription"
"Product": "O365HomePremRetail"
"LicenseId": "CWW_[lange GUID]"5. Lizenz-ID identifizieren und kopieren
Für das Entfernen wird die LicenseId benötigt, einschließlich der Anführungszeichen. Bei der Einordnung hilft häufig das Präfix der ID:
- CWW deutet typischerweise auf eine Consumer-Lizenz hin.
- EWW deutet typischerweise auf eine Business-Subscription hin.
6. Unerwünschte Lizenz gezielt entfernen
Das Entfernen erfolgt über die Aktion remove und die zuvor kopierte LicenseId:
./vnextdiag.ps1 -action remove -LicenseId "CWW_cd64618d-more-characters-c355df42706e5acf8"Nach erfolgreichem Entfernen erscheint eine Bestätigung, beispielsweise:
Removed license with Id CWW_cd64618d-more-characters-c355df42706e5acf87. Weitere Lizenzen bei Bedarf entfernen und Sitzung beenden
Wenn mehrere Lizenzobjekte entfernt werden müssen, wird die remove-Aktion entsprechend wiederholt. Danach kann PowerShell geschlossen werden. In vielen Fällen ist anschließend eine erneute Office-Anmeldung oder Aktivierung erforderlich, damit die korrekte Edition konsistent erkannt wird.
Wichtiger Hinweis zu gemischten Consumer- und Business-Konten
In Konstellationen mit gleichzeitiger Consumer- und Business-Subscription können beide Lizenzarten in der Liste erscheinen. Das Entfernen einer Consumer-Lizenz kann zwar kurzfristig die Produktzuordnung bereinigen, wird jedoch unter Umständen wieder rückgängig gemacht, sobald die Anmeldung mit dem zugehörigen Microsoft-Konto erfolgt. In solchen Fällen ist die Konten- und Anmeldekonfiguration ein relevanter Faktor für dauerhaft stabile Lizenzzustände.
Fazit
Wenn Office-Anwendungen unter Windows trotz Neukauf oder Editionswechsel weiterhin eine falsche Produktedition anzeigen und insbesondere Outlook nicht funktionsfähig ist, deutet vieles auf eine verbliebene Lizenzzuordnung hin. Da der VBS-Ansatz in aktuellen Umgebungen nicht mehr als verlässlich gilt, ist der Wechsel auf PowerShell und die Nutzung von Diagnose-Skripten zur Lizenzverwaltung ein praxisnaher Weg, um Consumer- und Business-Lizenzen gezielt zu identifizieren und zu entfernen.

